Freitag, 7. August 2009

taz - Bio ist zu normal

Biolebensmittel zu kaufen bringe keinen Distinktionsgewinn mehr, meint die Soziologin Eva Barlösius. Deshalb brauche die Branche neue Herausforderungen. Hier stelle ich die Frage, warum eine so flache Argumentation der taz überhaupt eine Artikelveröffentlichung wert ist? Soziologische Hintergründe sind vielfältiger und tiefgreifender, den Biobereich hier alleinstehend zu betrachten im Wandel dieser Zeit ist kaum relevant. Siehe auch Soziologe Gerhard Schulze Diese Art von zu kurz gesprungenen Inhalten, die weder aufklären noch informativ sind, sondern höchstens provokant daher kommen, findet man öfter in der taz - Qualität des Inhaltes ist hier für mich mangelhaft. Die könnten mehr: taz

1 Kommentar:

Amy (RESET – For a Better World) hat gesagt…

Ich muss leider voll & ganz zustimmen, wenn die Äußerungen von Frau Prof. Barlösius auch nicht von ungefähr kommen: Die Dame hat ihren Schwerpunkt u.a. in der Bourdieu-Forschung, da liegt die Interpretation der Daten in Richtung "feine Unterschiede" schon nahe.

Allerdings muss halt wirklich der Einstieg des Interviews betont werden, in dem sie sagt: "Eva Barlösius: Wenn wir die ökonomische Begründung einfach mal ausschließen, dann könnte Bio inzwischen zu "normal" geworden sein."

Ich finde aber, so einfach kann man diese ökonomischen Begründungen insbesondere in Zeiten der allgemeinen Wirtschaftskrise nicht ausschließen. Denn: Viele Menschen, so zumindest das wirtschaftswissenschaftliche Szenario, greifen mit zunehmendem Haushaltseinkommen nicht unbedingt automatisch zu mehr Produkten, sondern eher zu besseren. Sprich: Statt Discounterware eher Markenprodukte, auch mal hochpreisige Qualitätsware etc. Wer das Geld zur Verfügung hat, kann zum Bio-Produkt greifen. Umgekehrt ist aber der gleiche Effekt zu beobachten: Wer um seinen Job fürchtet und/oder den Gürtel enger schnallen muss, der greift eher zum Sattmacher in der günstigen Variante als zum noblen und oft teureren Bio-Produkt. In diesen Zusammenhängen ist es wenig sinnvoll, den momentan so wichtigen Part der allgemeinen wirtschaftlichen Lage zu suspendieren um dann mal einfach die eigenen Thesen in den Raum zu stellen.

Andererseits finde ich die Argumentation von Barlösius in einer Hinsicht sehr treffend: Die Bio-Branche (in Deutschland) wird sich weitere Service- & Mehrwertgedanken machen müssen. Bio allein ist oft nicht mehr ein schlagkräftiges Argument. In diese Richtung gehen Diskussionen wie die ansprechende & verständliche Darstellung von Nährwertangaben (Stichwort: Nährwertampel) oder andere verbraucherrelevante Infos, bspw. die aus dem angloamerikanischen Raum bekannte 5 a day"-Kampagne.

In diese Richtung sollten wir denken – und uns auch darüber freuen, wie weit der Bio-Markt in Deutschland bereits gediehen ist. Fast in jedem Laden kann man heute ökologisch hergestellte Produkte erstehen, jede noch so differenzierte geschmackliche Variation von Milchprodukten bis hin zu außerdem fair gehandelten Kaffeeprodukten wird mittlerweile angeboten. Derweil erreicht das einstige Elite-Konsumer-Produkt auch die breite Verbrauchermasse mit Bio-Produkten für jeden Geldbeutel. Auch dies ist ein Entwicklungsschritt, hinter den die deutschen VerbraucherInnen wohl kaum zurück fallen werden.