Montag, 20. Juli 2009

FoodWatch - Etiketten lügen wie gedruckt

Wussten Sie schon, dass sich bei Lebensmittelproben die Hälfte der Beanstandungen auf Etikettenschwindel und Mogelpackungen bezieht? Das Jahr für Jahr. Die Behörden und Ministerien wissen also, was los ist. Aber werden Kunden über die Verstöße informiert? Werden Hersteller, Händler und Produkte genannt? Nein. Stattdessen tut Verbraucherministerin Ilse Aigner auch noch so, als seien sie und ihr Ministerium von Imitaten, versteckten Zusatzstoffen und tricksenden Anbietern überrascht und fordert eine schärfere Kennzeichnungspflicht, die das Problem nicht löst. So hagelt es wieder Lippenbekenntnisse von Politikern und verhöhnende Phrasen von Lobbyisten.

Chef-Lobbyist der deutschen Ernährungsbranche, Matthias Horst vom deutschen Spitzenverband. In einem aktuellen Spiegel-Interview gibt Horst zu verstehen, wer an der Misere eine Mitschuld trägt: "Wenn man immer billiger essen will, dann kann man nicht erwarten, immer etwas ganz Besonderes zu bekommen." Aha, echter Käse ist also mittlerweile etwas "ganz Besonderes". Der Kunde ist demnach auch noch selbst schuld, wenn der Pizza-Bäcker das Imitat auf den Teig packt. Horst weiß auch ganz genau, was gegen den Betrug hilft: "Gucken Sie genauer und häufiger hin", rät er dem Verbraucher. Der Kunde ist also selbst der Depp, wenn er auf den Bluff reinfällt. Etikettenschwindel ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Neben Mogel-Schinken und Analog-Käse gibt es eine Palette von Produkten, bei denen die Lücke zwischen Schein und Sein weit auseinander klafft. Das ist der ganz normale Wahnsinn im Supermarkt. Etiketten lügen wie gedruckt, heißt es auf abgespeist.de.

Kommentare:

Roddy hat gesagt…

Sorry, aber ich bekomme das Gefühl dass dieser Blog mit diesem Beitrag ins Attac Lager abdriftet, und nicht dem aufgeklärten LOHAS Lebensstil folgt.

Tatsache ist, dass Deutsche als Westeuropäer am wenigsten Geld für Lebensmittel ausgeben wollen, und immer noch erwarten dass Preise sinken. Tatsache ist aber auch, dass dies dem Geldbeutel eines Aufgeklärten und Gesunden Lebensstils nur zugute kommt, da die Preisschere zwischen "Echten" und "Gefälschten" Produkten kleiner bleibt, als wenn der Preisdruck nicht so stark wäre.

"READ the f*cking Label" kann man nur ausrufen, "...und hinterfragt was in Euren Lebensmitteln drin steckt" sollte man noch dazu rufen.

Die Masse der Verstöße kommt nicht aus der Gastronomie ("Der betrügerische Pizzabäcker"), sondern aus dem Handel. Hier hat der Kunde noch die Wahl und den Einfluss auf die Inhaltsstoffe seiner Speisen. Wir als Kunden haben Macht, also lasst sie uns nutzen.

Dass Foodwatch nur an Publicity interessiert ist, wundert mich nicht: Ihnen wurde keine Beachtung geschenkt weil die Organisation überflüssig ist, denn Aufgeklärte Kunden brauchen keine Babysitter.

Also: Please walk on, nothing to see here; auch nicht Foodwatch.

Lohas-Scout hat gesagt…

Hallo Roddy, interessante Meinung - aber was ist ein aufgeklärter LOHAS Lifestyle? Klingt als wenn man das Kleingedruckte liest, ist alles Gut?

George hat gesagt…

Ich gebe Roddy völlig recht, wer ständig alles immer billiger haben will muß sich nicht wundern wenn er auch das billigste vom billigen bekommt, schlimmstenfalls eben Imitate. Natürlich ist es eine Sauerei daß man sich weder mengenmäßig noch qualitativ darauf verlassen kann zu bekommen was auf der Packung steht und abgebildet ist. Aber man kann ja die Zutatenliste lesen und sich informieren. Das dumme ist, die Leute sind zum Teil so abgestumpft daß sie sowas lieber im Fernsehen präsentiert haben wollen, lesen ist out.. Und beim Fernsehen kann man auch so schön nebenbei TK Pizza und Dosensuppen essen...