Montag, 13. Juli 2009

Der mit den Wölfen heult

Das Grameen Creative Lab wurde im Herbst 2008 von Prof. Muhammad Yunus gemeinsam mit Hans Reitz ins Leben gerufen. Die Leitung liegt bei Hans Reitz, dessen Unternehmen circ Mitgesellschafter beim GENISIS Institute ist. In der Eigenschaft als Inhaber von circ erwirtschaftet H.Reitz durch das Unternehmen Einkommen mit Firmen wie: adidas AG, Allianz Versicherungs-AG, Altana AG, Audi oder Telekom, aber auch mit Firmen wie BASF Aktiengesellschaft und E.ON AG. Für die Kampagne E.ON wurde der Deutsche Preis für Wirtschaftskommunikation (DPWK) 2009 nominiert in der Kategorie „Beste interne Kommunikation“ und in der Kategorie “Beste Kommunikation im Event Marketing“ mit „Marketplace of Innovations“. Der Spagat als Social Business Akteur mit Zugpferd Prof. Yunus und der Kommunikationsagentur für Großunternehmen, die zumindest einen zweifelhaften Stand in ihrer Ausrichtung haben, wirft Fragen auf. Man kann es sehen als Vertreter eines modernen Social Robin Hood, oder eine Unvereinbarkeit der Kommunikation am Rande von Greenwashing? Es kommt letztlich darauf an, wie und wer der Mensch ist, der die Verantwortung dafür trägt, egal ob als Akteur für Social Business oder welche anderen Attribute als Information zugeordnet werden. www.grameencreativelab.com
Genial frech oder einfach egal? www.circ.de

Kommentare:

Hans Reitz hat gesagt…

Ein sehr guter Blogauftakt - interessant formuliert und gut recherchiert! Es ist richtig, dass ich für verschiedene Großunternehmen arbeite - und zwar vor allem für die BASF und E.ON. Und immer wieder werden mir deswegen verschiedene Fragen gestellt: Sind Konzerne von Grund auf böse? Wie geht man grundsätzlich mit ihnen um? Welchen Wert haben sie in unserer Gesellschaft? Und vor allem: Welchen Wert werden sie in der Zukunft liefern?

Nach verschiedenen Treffen mit Prof. Muhammad Yunus Mitte 2007 habe ich mich Ende 2007 aus dem operativen Geschäft von circ zurückgezogen. Das Geld, was ich bis Ende 2007 mit meiner Tätigkeit als Creative Director und Eigentümer von circ verdient habe, habe ich seither in das Thema "Social Business" investiert, um die Grundsätze des sozialen Wirtschaftens zu lernen, Netzwerke aufzubauen und mich der Bekämpfung von Armut und Hunger zu widmen. Viele meiner Kontakte zu deutschen Großunternehmen konnte ich dabei nutzen, um in der Konzernwelt eine gewisse Awareness für das Thema "Social Business" zu schaffen und erste Initiativen anzustoßen. Ohne das Know-how über die Konzerne, das ich in vielen Jahren erworben habe, wäre dies nicht denkbar.

Ebenso wie Prof. Yunus bin auch ich der Meinung, dass jeder Mensch mehrdimensional ist und nichts Verwerfliches daran ist, Geld zu verdienen. So habe ich in Wiesbaden neben meiner Agentur auch verschiedene Kleinunternehmen aufgebaut, bspw. das Perfect Day (www.myperfectday.de), die ich alle nach dem BOSSI-Prinzip (BOSSI = Business of sustainability and social impact) führe. Für mich ist das Geld, das ich damit verdiene, Mittel zum Zweck, um den Traum von Muhammad Yunus realisieren zu können, nämlich Hunger und Armut bis 2030 ins Museum zu verbannen.

Wie gesagt, ich finde es sehr gut, dass diese Diskussion hier angestoßen wird. Ich denke, jeder kann und sollte sein Wissen und seine Energie möglichst sinnstiftend nutzen und einbringen. So muss sich auch jeder Manager selbst der Moralfrage stellen und seine ethischen und moralischen Grundsätze selbst hinterfragen.

Ich jedenfalls habe vor einigen Wochen eine größere Anfrage von Philip Morris abgelehnt, weil sie nicht mit meinen Grundsätzen vereinbar ist. Zur BASF und zu E.ON stehe ich jedoch ohne Wenn und Aber. Für mich ist in ihrer Ausrichtung nichts Zweifelhaftes zu erkennen. BASF führt bspw. zum 2. Mal in Folge das "Good Company Ranking" (veröffentlicht 2009 vom Manager Magazin) an und ist damit in der öffentlichen Wahrnehmung das Unternehmen, das seiner gesellschaftlichen Verantwortung am umfassendsten nachkommt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir ähnlich wie in jedem Biotop sowohl Mammutbäume als auch Mikroorganismen haben müssen. Sowohl Walfische als auch Plankton. Wenn wir es schaffen, alles dem Wohle einer gesunden Menschheit zu unterwerfen, mit einer freudigen und verantwortungsvollen Schnittstelle zur Schöpfung, dann werden wir hoffentlich erkennen, dass die Wirtschaft dafür da ist, uns in erster Linie Mensch sein zu lassen und dem zu dienen, was wir Leben nennen. Dazu gehört auch immer ein ichbezogenes oder eben ein selbstloses Sein.

Nachfolgend zum besseren Verständnis die 7 Prinzipien des Grameen Social Business, die ich jeden Tag aufs Neue versuche mit Leben zu füllen:

1. Business objective will be to overcome poverty, or one or more problems (such as education, health, technology access, and environment) which threaten people and society; not profit maximization
2. Financial and economic sustainability
3. Investors get back their investment amount only - no dividend is given beyond investment money
4. When investment amount is paid back, company profit stays with the company for expansion and improvement
5. Environmentally conscious
6. Workforce gets market wage with better working conditions
7. …do it with joy

Auf einen weiteren guten Dialog, der uns hoffentlich dazu führt, zeitnah noch mehr Performance zu bringen im Kampf gegen Armut und Hunger.

Hans Reitz aus Johannesburg

peter parwan hat gesagt…

Danke für die Aufklärung, das nenne ich Stellungnahme, die fehlt mir sonst auf den üblichen Formen der Selbstdarstellungen. Transparenz, Intention und persönliches Statement der Akteure ist für mich wichtig als Grundlage einer Einschätzung.

Jochen Holtrup hat gesagt…

Freut mich, dass Ihr in Dialog getreten seid!
Beste Grüße
Jochen