Montag, 14. Juli 2008

Auftaktveranstaltung zu LOHAS


LOHAS CompetenceCenter im Museum für Kommunikation Frankfurt setzt Diskussion in Gang. Konventionelles Marketing war gestern!? - Stellen die LOHAS die Kommunikation auf den Kopf? Diese provokative Fragestellung stellte das LOHAS CompetenceCenter (LCC), um eine Diskussion erstmals in Gang zu setzen, die bisher noch nicht geführt wurde. Dass ca. 380 Teilnehmer im Rahmen des Medienmittwochs ins Museum für Kommunikation, Frankfurt kamen, zeigt, das das Thema Nachhaltigkeit die Gemüter und das Marketing bewegt. Die Besucher standen Schlange. „Fertige Instantantworten und Lösungen wie Marketer sie bisher immer gerne suchen, konnten die Gäste aber von uns bei einem so komplexen Thema nicht erwarten“, resümieren die Sprecherin des LCC, Martina Hoffhaus und Comoderator Klaus Kofler vom Zunftinstitut. An der Diskussionsrunde nahmen der Ökomanager des Jahres, Hr. Jürgen Schmidt von memo AG, Peter Parwan, Begründer der online Plattform lohas.de, Silke Peters vom Flower Label Program, Alexander Böker, Chefredakteur von IVY und Birgit Czinkota von A.C. Nielsen, teil. LOHAS CompetenceCenter

1 Kommentar:

Martina Hoffhaus hat gesagt…

Instant-Lösungen“ sind bei diesem neuen Thema noch nicht zu erwarten. Wir vom LOHAS CompetenceCenter haben eine neue Debatte initiieren wollen, die kaum öffentlich geführt wird und für die es noch wenige Beispiele gibt. Ich möchte Sie einladen, die Debatte weiter zu führen.

Die „Alt-Ökos“ und wahren Pioniere der LOHAS-Bewegung haben Marketing kaum ernst genommen, die Nase gerümpft oder einfach keine Notwendigkeit gesehen, professionelle Marketingmethoden anzuwenden. Und das ist bis heute so.

Die „Alt-Ökobranche“ ist primär an höheren Werte wie Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Produktqualität interessiert. Weniger an nackter, unsozialer Absatzförderung um des Konsums willen. Geldverdienen auf Gedeih und Verderb, die unbändige Gier nach Marktanteilen, führt in der „konventionellen“ Wirtschaft zu einer menschen- bzw. lebensverachtenden Wertschöpfungskette. Die echten (neuen) Ökoentrepreneure (bestes, prominentestes Beispiel ist Professor Yunus mit seiner Kleinkreditbank) lehnen das ab. Sie schwören nicht dem ökonomischen Profit ab, halten aber parallel die Werte hoch, die heute mit Nachhaltigkeit bezeichnet werden. Sie wollen keinen Anteil daran haben, dass sich die Welt kanibalisiert. Im Gegenteil, sie wollen etwas bewegen, vorwärtskommen.

Da die Ökobranche lange Zeit ein Nischendasein führte, hat das niemanden interessiert. Die Szene bleib unter sich. Sie war kuschelig-konkurrenzlos, weil unbedeutet für den Markt.

Nun wird seit der Jahrtausendwende dank Web 2.0 verstärkt über einen neuen Konsumtyp gesprochen, den LOHAS. Der ein oder andere mag sie belächeln. Aber sie sind mittlerweile zu einer ernstzunehmenden Masse geworden, die die Wirtschaft schon jetzt kräftig beeinflusst. Warum? Weil 6-30% (je nach Studie) der Bevölkerung langsam ein schleichendes Gefühl von „es reicht“ überkommt: Die wichtigsten Stichworte sind hierbei Globalisierung, Klimawandel, demografischer und Werte-Wandel: Runtergebrochen heisst das: Massenentlassungen, Mobbing, Hunger in der Welt, Schmelzen der Polkappen, pestizidverseuchte Blumen, Nahrungsmittel, und T-Shirts, Atommüll, wachsende Armut weltweit, Wasserknappheit, kontinuierlicher Raubbau der Natur, Korruption, Vereinsamung der Menschen…die Liste könnte unendlich weitergeführt werden. Die LOHAS sagen: genug geredet. Jetzt heisst es handeln z.B. über kritischen Konsum.

Wollen Marketer sich nach einem anstrengenden Tag mit solchen weltbewegenden Dingen ernsthaft beschäftigen? Wer das tut, der muss sein Tun/seinen Konsum unweigerlich selbst – früher oder später - in Frage stellen. Und dann geht es ans Eingemachte.
Obwohl sich unsere Welt immer schneller dreht: Wenn wir über Nachhaltigkeitskommunikation nachdenken, sind schnelle Lösung nicht zu bekommen. Die Lohas zwingen zur Entschleunigung. So wie Bioschweine oder Biopaprikas länger glücklich wachsen dürfen, damit sie reifen und gut schmecken, brauchen gute, kreative Kommunikationsansätze Zeit und viel Einfühlungsvermögen. Die für die Kommunikationsbranche bittere Pille: Wer den kritischen Lohas glaubwürdig ansprechen will, kommt nicht umhin, sehr komplexe, sensible Zusammenhänge zu betrachten. Herkömmliche Absatzförderung, die sich unglaubwürdiger, gar (rücksichtsloser) Raffinessen und Methoden bedient, gerne Schwächen verschweigt, mögen die LOHAS nicht, weil sie das Spiel durchschauen. Neue Instrumente und vor allem Herangehensweisen sind vonnöten, damit Unternehmen ihr Potenzial nicht verspielen.

Und zur Greenwashing-Debatte sei noch eines gesagt: Dank der LOHAS Bewegung wird es zu einem CSR/Ethikwettbewerb in den Unternehmen kommen. Was kann der Nachhaltigkeitsdiskussion besseres passieren, als dass die Unternehmen in einen Wettstreit treten - nach dem Motto: Wer hat die nachhaltigsten Produkte mit der nachhaltigsten Wertschöpfungskette? Wie gut, dass es die LOHAS gibt – om sei Dank! Marketing wird dadurch zwar nicht leichter, aber wieder strategisch und spannend.

Zukünftig wird es heißen: Form follows sustainability. Unternehmen werden mit den kritischen Konsumenten wohl oder übel auf gleicher Augenhöhe kommunizieren. Partizipation und Meinungsvielfalt findet damit Einzug in die Kommunikation – und in viele andere Bereiche wie z.B. die Personalpolitik. Das ist neu! (oder auch nicht- das spielt keine Rolle). Das ist Changemanagement, ausgelöst durch den Konsumenten.

Und seit es die LOHAS gibt: design matters! Ökoprodukte dürfen jetzt endlich sexy, hip, lifestylig werden und auch Spaß machen. So finden sie ihren Weg in Mainstream-Haushalte. Wenn sich dahinter noch authentische Marken verbergen, werden sie Anklang finden. Die Marken, die „aufschneiden“, nicht nachvollziehbare Versprechen abgeben, werden von den LOHAS abgestraft (siehe Basic/Lidl oder Lichtblick). Auf diesen Wettbewerb freue ich mich. Die Diskussion wird weiter geführt werden müssen, denn sie hat gerade erst begonnen.


Martina Hoffhaus
Sprecherin und Gründerin LOHAS CompetenceCenter
Inhaberin von messagepool