Sonntag, 24. Februar 2008

Biofach und NewEthics

Eine Mehrheit der Kunden wünscht sich ethisch korrekte Produkte. Welche Schritte muss der ökologische Fachhandelsmarkt unternehmen? NewEthics stellen ihre Strategie und die Internetplattform im Kongresszentrum vor. Teilnehmer und Referenten sind: Klaus Fasold, Rainer Plum, Dr. Tanja Busse, Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Luise Rauschmayer, Martin Rombach, Prof. Nico Stehr, Ulrich Walter. In der Einleitung wird der Begriff LOHAS als unsinnig betitelt und die Argumentation zielt darauf ab, die langjährigen Bemühungen einer ganzen Branche darzustellen, die mit viel Einsatz und Überzeugung etwas geschaffen haben, das nun nicht vom Mainstream als selbstverständlich übernommen oder von den LOHAS besetzt werden solle.
Die Urgesteine der Biobranche haben tatsächlich wesentlichen Anteil an einer Entwicklung, die zur Zeit einen Boom erlebt und nun werden die Gefahren sichtbar, die mit dem Bild von David und Goliath verglichen werden könnte (Basic + Lidl). Denn die grossen Konzerne haben Lunte gerochen und es wird bei NewEthics vermutet, dass die LOHAS oder deren Formel okkupiert werden. Kritikpunkt an der Strategie von NewEthics ist vielleicht, dass sie und die Biobranche zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, in einer Zeit globaler Ereignisse, in der mehr mutiges Denken gefordert ist. New Ethics als Vertreter der Biobranche möchte sich vom LOHAS-Label abgrenzen. Tatsächlich gibt es bereits Unternehmen am Markt die den Untertitel LOHAS-Plattform kommunizieren und bis vor kurzem noch kaum Kompetenz und Engagement zeigten, wie es sich die Biobranche in über 20 Jahren erarbeitet hat. Nun wird strategischer Konsum propagiert, und wahre Absichten bleiben zumindest teilweise verborgen oder fragwürdig. Es sollte dabei aber klar unterschieden werden, welche Konzepte einen "alten Geist" beinhalten und wo tatsächlich Branchen oder Märkte geschützt oder entwickelt werden müssen. Die Entscheidungen der "Neuen Konsumenten" werden nicht allein mit Informationen, Marketing und Vorträgen beeinflusst, sondern wesentlich von einer authentischen, transparenten Haltung der Schlüsselfiguren und Meinungsführer. Übrigens entsprechen Teile der sogenannten NewConsumer oder LOHAS im Kern der bisherigen Klientel der Biobranche. Der Wertewandel auch der LOHAS beschränkt sich nicht auf ein oder zwei Lebensbereiche und davon betroffene Wirtschaftbereiche, deshalb ist Inseldenken kein Lösungsansatz für Probleme, die uns ins Haus stehen: Klimawandel, Globalisierung und Wirtschaftverlagerung nach Asien, Peak Oil, Armut des grössten Anteils der Weltbevölkerung und deren Folgen etc. Kann die Biobranche zur Rettung der Welt beitragen? Oder zur Rettung seiner Verdienste? Kann Konsum die Welt retten? Kann ein Footprint das Klima retten? Welche Haltung ist notwendig, um aus Einsicht zu handeln und nicht nach endlosen Vorgaben ...
Die unterschwelligen Ängste der Bevölkerung durch die dramatischen Veränderungen, die sich abzeichnen, sind augenscheinlich hilfreich für eine grüne Entwicklung. Diese Ängste zu verstärken und durch umfangreiche Verbote und Regeln zu steuern, wäre fatal und kontraproduktiv. Deshalb ist ein Ansatz von Lebenslust und Lebensqualität in der Thematik eines Lebensstils auf Basis von Gesundheit und Nachhaltigkeit kein Hedonismus, sondern eine notwendige Grundlage für ein gesundes, ganzheitlich ausgerichtetes Leben. Die Balance zu finden in diesem Spannungsfeld zwischen komplexen schwierigen Umständen der Gegenwart und ein gesundes soziales Klima mit neuen Werten und Lebensqualitäten ist eine übergreifende Aufgabe, die von Fachleuten in ihren jeweiligen Kompetenzbereichen mit einbezogen werden sollte. Fachleute, Experten, Branchenvertreter und Wissenschaftler neigen dazu, ihre Fachkompetenz als Mittelpunkt der Welt zu sehen und Lösungen in diesem Umfeld zu suchen, und werden natürlich fündig. "Für Jemanden der einen Hammer in der Hand hält, sieht alles wie ein Nagel aus."

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